Berichte & Infos

Sommerzeit - Festivalzeit (August 2018)

 

Übers ganze Jahr verteilt gibt es kleinere und größere Tanzwochenenden und Festivals in Deutschland und Europa.

Man trifft sich auf Burgen, in Klöstern und Herbergen, Open Air und in großen Tanzzelten. Es wird musiziert, gefeiert, geschwatzt, gelacht, gelernt und natürlich getanzt. Solche Treffen erweitern den Horizont ungemein, man lernt neue Menschen kennen, neue Tänze, Musik, Lebenswelten. Es gibt Tanzkurse mit erfahrenen LehrerInnen, Livemusik und dabei auch immer wieder interessante musikalische Neuentdeckungen.

Ich finde diese Treffen und den Austausch gerade hinsichtlich Toleranz und gegenseitigem Verständnis und Verstehen auch über Ländergrenzen hinweg sehr schön und wichtig.

Ein fester Termin ist für mich Ende Juli/ Anfang August “Le Grand Bal de l'Europe“ in Gennetines (Frankreich). Dort trifft sich Jung und Alt aus ganz Europa, wir sprechen unterschiedlichste Sprachen, kommen aus verschiedensten Gesellschaftsschichten aber wenn wir nebeneinander und miteinander tanzen, dann zählt nur der Augenblick, dann gibt es keine Barrieren, dann verstehen wir einander und lachen wir gemeinsam.

Fotos: Anna Caramél und Mark Kultajev

Fest Noz & Fest Deiz – bretonische Tanzfeste (August 2017)

 

Ursprünglich traf man sich in der Bretagne nach der gemeinsamen Arbeit zum geselligen Beisammensein. Es wurde erzählt, gegessen, gesungen, musiziert und auch getanzt. Es ging um die Gemeinschaft, Spaß und Verbundenheit. Die Tänze und Lieder sind vom Volk fürs Volk, d.h. die Tanzschritte sind recht einfach und die Texte sind oft sehr direkt oder verspöttelnd. Der Gesang ist ein Wechselspiel zwischen einem Vorsänger und einem oder mehreren „Antwort-Sängern“, als „Kan ha diskan“ bezeichnet.

Inzwischen haben auch wir Touristen diese Feste der „bretonischen Brauchtumspflege ;-)“ für uns entdeckt. Mitmachen ist bei einem Fest Noz ausdrücklich erwünscht; die Schritte lassen sich meist ganz einfach vom Nachbarn abgucken.

Ende August war ich auf einem Fest Noz in Carnac (das kleine Städtchen liegt an der Atlantikküste am Golf von Morbihan). Wir tanzten vor der Kirche zur Musik der Gruppe „An’Dibru“. Es hat total Spaß gemacht und alle Tanzwilligen wurden freudig in die Ketten und Kreise aufgenommen.

Wer dies selbst einmal vor Ort erleben möchte, kann auf dieser Website nach Terminen und weiteren Informationen suchen: http://www.tamm-kreiz.bzh/

 

Aber auch hier bei uns gibt es immer wieder auch schöne „Fest Noz“ und „Balfolk“ Veranstaltungen. Da können Sie mich gern nach Terminen und Kontakten fragen.

Foto: Samuel von Richthofen

Zoff auf dem Parkett (Oktober 2017)

 

„ich tanze ja so gerne, aber mein Mann will nicht“

„wir zoffen uns nur, wenn wir zusammen tanzen sollen“

„es ist ein Kampf“

„er tut nicht, was ich will“

„sie ist total störrisch und lässt sich nicht führen“

„ich tanz nun mal besser als er und da will ich ihm halt helfen“

„bei den anderen sieht es immer so schön aus, aber mit ihm/ ihr klappt es irgendwie nicht“

… wem kommt das bekannt vor? Ich habe das oft gehört. Und gesehen, dass gerade (Ehe-)Paare nicht immer ganz so harmonisch übers Parkett schweben, wie sie es erhofft haben. Meistens macht sie ihm einen Tanzkurs schmackhaft. Erst willig, später mit zusammengebissenen Zähnen hält man durch. Aber soo viel Spaß hat es nicht gemacht. Im Gegenteil, es führte vielleicht sogar zum ein oder anderen Streit in der Beziehung.

Warum ist das so? „Bricht“ auf dem Parkett heraus, was schon längst unterirdisch gebrodelt hat?

Tanzen hat nichts mit „Macht und Herrschaft“ zu tun; nichts mit „Dominanz und Unterwerfung“, nichts mit „Kampf und Siegen“. 

 

Mein Ideal beim Balfolk-Tanzen ist ein Tanz, beim dem man sich aufeinander einstellt, versucht, gemeinsam die Schritte und Bewegungen zu finden, sich achtet und miteinander ein „Tanz-Gespräch“ führt. Tanzen ist Kooperation und Kommunikation; ist Technik und Teamwork.

Foto: Samuel Aubert

Balfolk was ist das? (Dezember 2017)

 

„Balfolk“ – das sind Tänze aus Frankreich, aus dem französischen Volk; ein „Balfolk“ ist also ein „französischer Volkstanzabend“.

Frankreich hat eine sehr vielfältige und lange Tanz- und Musiktradition und jede Region hat ganz eigene Tänze, eigene Stilrichtungen und Schwerpunkte.

In der Bretagne finden wir ganz kraftvolle, energiegeladene Tänze in der Kette oder im Kreis; im Elsaß ruhige, weich dahinfließende Branles. Es gibt Bourrées, Gavottes und Rondeaus. Es gibt innige Paartänze wie Walzer, Mazurka aber temperamentvolle Tänze wie Schottisch oder Polka. Wir haben auch sehr viele Partnerwechseltänze (Mixer), bei denen man in kurzer Zeit Kontakt zu den anderen Tänzern herstellen kann; die beliebtesten sind Chapelloise und Cercle Circassien.

Seit den 70er Jahren bezeichnen wir mit „Balfolk“ eine „Tanzszene“, die über die traditionellen französischen Tänze hinausgeht und sich inzwischen in Europa verbreitet hat. Basierend auf den europäischen Traditionen aus Frankreich, England, Schweden haben sich einige Paartänze herauskristallisiert, die auf keinem Ball fehlen (Walzer, Schottisch, Mazurka, Polka, Polska). Diese werden ergänzt durch bretonische Tänze und je nach Schwerpunkt der Musiker durch die Tänze der jeweiligen Region.

Die Musik und die Tänze entwickeln sich dabei immer weiter. Es gibt viele junge Bands. Sie experimentieren und „spielen“, probieren andere Instrumente aus, arbeiten mit Technik (Loops, Beat Boxing, Techno …). Dabei bleibt aber immer auch der Charakter des Tanzes erhalten und es werden auch immer wieder neue Tänze „erfunden“ (z.B. scottish impair).

„Balfolk“ ist also sehr lebendig und sehr vielfältig.

Was ist die Grundidee von Balfolk?

Man tanzt miteinander. In der Gruppe, im Kreis, in der Gemeinschaft. Es steht nicht die Brillanz des Einzelnen im Mittelpunkt, sondern das „zusammen Tanzen und Spaß haben“.

Bei den Paartänzen gibt es oft nur einen recht einfachen Grundschritt. Figuren und Schrittkombinationen kann man tanzen, aber sie werden nicht explizit gelehrt (wie bei Salsa oder Tango zum Beispiel). Es geht darum, als Paar zusammen zu tanzen, sich aufeinander einzustellen.

Im Idealfall ist ein Tanz wie ein „Gespräch“ zwischen dem Tanz-Paar, es geht um Zuhören und Vorschläge machen, um Improvisieren und Ausprobieren. Und es geht auch um das Tanzen zur Musik, das heißt, wie möchte die Musik, dass wir dazu tanzen.

Die Grundlage der Tänze ist einfach. Sie sind ja im Volk entstanden, d.h. Jede und Jeder kann mittanzen. Dabei bleibt immer Platz zum Improvisieren und „Spielen“ und zum „Balzen“. Denn die Tanzfeste waren früher ein wichtiger Ort, um sich dem anderen Geschlecht nähern zu dürfen.

Einfach mittanzen!

 

Auf einen „Balfolk“ kann man einfach hingehen, auch als Anfänger und auch alleine. Hier tanzt Jeder mit Jedem; man kann sich gegenseitig auffordern … es ist also ganz offen. Auch als Einsteiger ist es völlig unproblematisch, man geht einfach hin und versucht es. „Learning by Doing“ – so haben wir alle angefangen.

Hier ist ein Eindruck von unserem "Adventsbalfolk" im Fichtehaus in Tübingen am 17.12.2017.

Wir hatten tolle Bands "Danzvogel, "Folkorn", "Mios Band" und "Zelda" und es kamen richtig viele Leute zum Tanzen, Essen, Trinken, Schwatzen ...

Foto: Anja von Richthofen